Kabinen werden dort verhandelt, wo Flugzeuge entstehen: Die Aircraft Interiors Expo bringt Airlines, Kabinenintegratoren und Zulieferer jedes Frühjahr nach Hamburg. Für die meisten Zulieferer bleibt dieser Termin allerdings einer von mehreren im Jahr. Genau an dieser Stelle entscheidet die Bauweise des Standes über das Budget der kommenden zwölf Monate.
Ein Publikum, das unter die Sitzschale schaut
Die Aircraft Interiors Expo findet jährlich im April auf dem Gelände der Hamburg Messe statt, veranstaltet von RX. Die AIX belegt die Hallen B1 bis B7, parallel läuft die World Travel Catering & Onboard Services Expo in den Hallen A1, A2 und A4; ein Ausweis gilt für beide Veranstaltungen. Am Vortag eröffnet die Passenger Experience Conference die Woche, im Verlauf werden die Crystal Cabin Awards vergeben. Zuletzt zeigten rund 460 Aussteller ihre Lösungen, insgesamt kamen über 12.000 Teilnehmer.
Das Publikum ist überschaubar und außerordentlich qualifiziert: Kabinenverantwortliche von Airlines, Designteams, Einkauf, Vertreter von OEM und MRO, Leasinggesellschaften. Diese Besucher setzen sich in den Sitz, prüfen die Naht, klappen den Tisch aus und schauen unter die Schale. Sie fragen nach Gewicht, Brandverhalten, Zertifizierungsweg und Lieferzeiten. Daraus folgt ein Standprofil, das sich von den meisten Industriemessen unterscheidet: viel Exponatfläche für Mock-ups und Sitzreihen, Materialmuster zum Anfassen und auffallend viele geschlossene Besprechungsräume, weil Kabinenprojekte vertraulich verhandelt werden. Zweite Ebenen sind entsprechend häufig.
Dazu kommt eine Hamburger Besonderheit: Das Messegelände liegt mitten in der Stadt. Rangier- und Abstellflächen sind begrenzt, die Anlieferung folgt engen Zeitfenstern. Eine Bauweise, die sich in kalkulierbaren Ladeeinheiten anliefern und zügig montieren lässt, zahlt sich hier doppelt aus.
Warum das Messejahr eines Kabinenzulieferers selten in Hamburg endet
Wer Sitzkomponenten, Textilien, Leichtbauteile, Beleuchtung oder Kabinenelektronik liefert, zeigt sich meist mehrfach im Jahr: auf der AIX in Hamburg als Branchentreffpunkt, dazu auf Airshows, auf MRO- und Interieur-Fachveranstaltungen, auf regionalen Konferenzen und bei Kundentagen der eigenen Abnehmer. Die Flächen unterscheiden sich dabei erheblich. In Hamburg entsteht ein Auftritt mit Mock-up und Besprechungsraum, drei Monate später genügt ein Eckstand mittlerer Größe, im Herbst folgt ein kompakter Reihenstand auf einer Konferenzausstellung.
Drei Standbauten für drei Termine binden Budget, Lagerfläche und Nerven. Ein Baukasten, aus dem sich alle drei Auftritte zusammensetzen lassen, dreht diese Rechnung um.
Ein Baukasten, drei Auftritte
Modularer Standbau bedeutet, dass der Stand aus einem definierten Vorrat an Bauteilen entsteht statt aus einer einmaligen Konstruktion. Die Grundlage bildet ein Rastermaß, meist ein Aluminium-Rahmensystem, in das textile Bespannungen, Vollflächen, LED-Kacheln, Türen und Regalböden werkzeuglos einsetzbar sind. Die Trendsetzerei arbeitet dafür als Systempartner mit Aluvision.
Praktisch heißt das:
- Gleiche Bauteile, andere Grundform. Aus denselben Rahmen entsteht in Hamburg ein Inselstand, im Sommer ein Kopfstand, im Herbst ein Reihenstand. Die Wandflächen ändern ihre Anordnung, ihre Maße bleiben.
- Grafik als Verschleißteil. Die Bespannungen tragen die Botschaft und wechseln je Messe oder Kampagne. Sie sind der preiswerteste Teil des Standes und zugleich der sichtbarste.
- Digitale Flächen statt Neubau. LED-Kacheln aus dem Bestand zeigen je Termin andere Inhalte, von der Kabinenanimation bis zum aktuellen Zertifizierungsstand.
- Höhe nach Bedarf. Ein Systemstand lässt sich zur zweiten Ebene ausbauen, wo die Fläche das hergibt, und bleibt einstöckig, wo die Halle andere Vorgaben setzt.
- Zukauf statt Vollausbau. Was nur einmal gebraucht wird, etwa eine besondere Vitrine oder zusätzliche Möblierung, kommt aus der Miete dazu. Wie das kalkulatorisch aufgeht, lesen Sie unter Messestand mieten.
Was einen Systemstand über das Jahr trägt
Ein Baukasten entfaltet seinen Wert erst über die Organisation dahinter. Fünf Punkte entscheiden.
Ein Bauteilverzeichnis. Jedes Element ist erfasst, mit Maß, Zustand und Standort. So lässt sich am Bildschirm prüfen, ob die nächste Fläche aus dem Bestand darstellbar ist.
Ein geordnetes Lager. Zwischen zwei Messen liegen die Bauteile trocken, sortiert und dokumentiert. Die Trendsetzerei arbeitet dafür mit einem digitalisierten Lager, in dem jedes Teil auffindbar bleibt.
Prüfung nach jedem Abbau. Rahmen werden auf Verzug kontrolliert, Bespannungen gereinigt, Elektrik geprüft. Der Stand geht instandgesetzt ins Lager und startet in die nächste Messe wie am ersten Tag.
Grafikvorlagen je Format. Für jede wiederkehrende Standgröße existiert ein Datensatz mit Beschnitt und Sicherheitsabständen. Neue Motive gehen dadurch schnell in Produktion.
Ein Jahresplan statt Einzelprojekten. Wer die Termine des Messejahres gemeinsam betrachtet, verteilt Grafikproduktion, Transporte und Personal sinnvoll und spart sich Doppelarbeit.
Wirtschaftlich verschiebt sich damit die Kostenkurve. Die erste Investition liegt über der eines einfachen Einwegstandes; ab dem zweiten und dritten Auftritt sinken die Kosten je Messe deutlich, weil überwiegend Transport, Montage und Grafik anfallen. Wie sich die einzelnen Posten zusammensetzen, lesen Sie unter Messestand Kosten.
Der Nebeneffekt passt zu den Anforderungen der Luftfahrtbranche: Wiederverwendung lässt sich dokumentieren. Bauteile, die über mehrere Jahre laufen, erzeugen je Auftritt weniger Abfall, und diese Quote wird in Nachhaltigkeitsberichten zunehmend abgefragt. Nach eigenen Angaben führt die Trendsetzerei bis zu 85 Prozent der eingesetzten Materialien in den Kreislauf zurück.
Vom einzelnen Termin zum durchdachten Messejahr
Die Aircraft Interiors Expo lohnt einen sorgfältig geplanten Auftritt, weil das Publikum in Hamburg genau hinschaut und weil die Entscheidungen dort lange Laufzeiten haben. Der größere Hebel liegt allerdings eine Ebene darüber: in der Entscheidung, ob der Stand ein Projekt für drei Tage bleibt oder zur Plattform für das gesamte Messejahr wird.
Die Termine der kommenden Jahrgänge stehen in unserem Messekalender. Wenn Sie mehrere Auftritte im Jahr planen und wissen möchten, welcher Anteil davon aus einem Baukasten kommen kann, schauen wir uns Ihre Terminliste gern gemeinsam an.