Elektronikfertigung spielt sich in Größenordnungen ab, die aus zwei Metern Entfernung kaum erkennbar sind: Bauteile im Zehntelmillimeter, Lotdepots im Mikrometerbereich, Bestückköpfe, die schneller arbeiten, als das Auge folgen kann. Wenn die Branche im November 2027 wieder nach München kommt, übernimmt die Medientechnik am Stand deshalb eine tragende Rolle. Sie macht sichtbar, was sonst im Maschinengehäuse bleibt.
Ein Publikum, das Prozesse liest
Die productronica ist die Weltleitmesse der Elektronikfertigung und findet im Zweijahresrhythmus in ungeraden Jahren auf dem Messegelände München statt, jeweils im November. Zur Ausgabe 2025 zeigten über 1.600 Aussteller aus mehr als 50 Ländern auf zehn Hallen ihre Lösungen, und parallel lief die SEMICON Europa im ICM und in den Hallen B1, C1 und C2.
Die Aufplanung folgt den Fertigungsschritten. Das SMT-Cluster belegt die Hallen A1 bis A4 mit Bestücktechnik, Löt- und Verbindungstechnik, Test- und Messtechnik sowie Qualitätssicherung. Halle B2 bündelt Halbleiterfertigung und Zukunftsthemen wie Batterieproduktion und additive Verfahren, Halle B3 gehört Leiterplatte und EMS, Halle B4 der Kabel-, Spulen- und Hybridfertigung. Wer seine Fläche wählt, wählt damit die Nachbarschaft und den fachlichen Kontext gleich mit.
Entsprechend fachkundig ist das Publikum. Fertigungsleitung, Prozessingenieure, Qualitätssicherung und technischer Einkauf fragen nach Taktzeit, Ausbeute, Rüstaufwand und Wiederholgenauigkeit. Ein Imagefilm überzeugt diese Gäste selten. Ein sichtbarer Prozess dagegen sehr.
Kamera statt Vitrine: das Exponat vergrößern
Die stärkste Medienlösung auf dieser Messe ist zugleich die einfachste: eine laufende Maschine plus eine Kamera, die zeigt, was innen passiert. Eine fest im Maschinenrahmen montierte Makrokamera überträgt den Bestückvorgang oder das Lotbild live auf einen Monitor direkt daneben, in ruhiger Bildlage und mit kurzer Signalstrecke.
Drei Details entscheiden über die Wirkung. Erstens der Bildausschnitt: Er wird vorab mit der Anwendungstechnik festgelegt, damit die Kamera genau die Stelle zeigt, an der Ihr Alleinstellungsmerkmal sichtbar wird. Zweitens das Licht: Prozessbeleuchtung für die Kamera arbeitet anders als Standbeleuchtung für Menschen und gehört separat geplant. Drittens die Ergänzung durch Zeitlupe: Ein geteiltes Bild aus Livesignal und verlangsamter Aufzeichnung zeigt in Sekunden, was ein Datenblatt auf einer Seite beschreibt.
Hilfreich ist außerdem eine Rückfallebene. Während Rüstvorgängen, Wartung oder Standpausen läuft eine aufgezeichnete Sequenz derselben Maschine weiter, sodass die Fläche jederzeit etwas zu zeigen hat.
Bildfläche wählen: Distanz, Pixelabstand, Helligkeit
Die passende Anzeigetechnik ergibt sich aus dem Betrachtungsabstand. Am Gang, wo Besucher aus sechs bis zehn Metern schauen, spielt eine LED-Wand mit größerem Pixelabstand ihre Stärke aus: hohe Helligkeit gegen das Hallenlicht, große Fläche, freie Formate. An der Demo, wo Fachleute aus einem Meter Entfernung Details lesen, gehört ein hochauflösender Monitor mit entspiegelter Oberfläche hin.
Bewährt hat sich eine Aufgabenteilung: Hochformat-Displays am Gangrand transportieren eine kurze Botschaft und ein Bild, die große Fläche im Standinneren trägt den Prozess, kleine Monitore an den Exponaten liefern Messwerte und Erläuterungen. So entsteht eine Dramaturgie vom Blickfang zur Tiefe.
Die Konstruktion denkt mit. Displays und LED-Kacheln lassen sich in modulare Aluminiumrahmen integrieren, sodass Kabel im Profil verschwinden und Servicezugriff von hinten möglich bleibt. Gewicht, Befestigungspunkte und Wärmeabfuhr gehören dabei früh in die Planung, ebenso die Frage nach Abhängung oder Bodenaufständerung. Was auf Ihrer Fläche zulässig ist, regeln die Technischen Richtlinien der Messe München; größere Konstruktionen und Abhängungen erfordern zusätzlich einen Nachweis.
Ton in einer lauten Halle
In den Fertigungshallen der productronica arbeiten Maschinen, und der Grundpegel ist entsprechend hoch. Beschallung im klassischen Sinn führt dort schnell zu einem Wettbewerb mit den Nachbarn. Zielführender sind drei ruhige Wege: Nahfeldlautsprecher direkt an der Demotheke, Richtlautsprecher, die einen eng begrenzten Bereich beschallen, und Kopfhörer für vertiefende Sequenzen.
Unabhängig davon gilt: Jedes Video trägt Untertitel. Die Botschaft erreicht damit auch die Besucher, die im Vorbeigehen schauen, und funktioniert zugleich zweisprachig. Schleifen von 60 bis 90 Sekunden mit klarem Aufbau erlauben den Einstieg an jeder Stelle, ohne dass jemand auf den Anfang wartet.
Inhalte, die den Termin tragen
Medientechnik steht schnell, gute Inhalte brauchen Vorlauf. Animationen aus der Entwicklung, Schnittbilder, Simulationen und Prozessaufnahmen entstehen über Wochen und durchlaufen Freigaben. Wer Kundendaten oder reale Prozessdaten zeigt, klärt die Freigabe vorab und arbeitet mit anonymisierten Datensätzen.
Für den Betrieb am Stand haben sich einfache Regeln bewährt. Inhalte liegen lokal auf Mediaplayern, damit die Wiedergabe unabhängig vom Hallennetz läuft. Eine Mediensteuerung startet morgens alle Geräte über eine Taste. Ersatzkabel, ein Ersatzplayer und ein zweiter HDMI-Weg liegen im Standlager bereit. Interaktive Elemente bleiben bewusst schlank: ein Touchkonfigurator, der in drei Schritten zum Ergebnis führt, ein QR-Code zum Datenblatt, und die Kontaktaufnahme über einen Badge-Scan, dem Ihr Gast ausdrücklich zustimmt.
Vom Bildschirm zum Gespräch
Die Medientechnik auf der productronica hat eine klare Aufgabe: Sie verkürzt die Zeit bis zur ersten fachlichen Frage. Wenn ein Fachbesucher auf dem Bildschirm sieht, wie Ihr Verfahren arbeitet, beginnt das Gespräch bereits auf Augenhöhe. Genau darauf lohnt es sich, Grundriss, Anzeigetechnik und Inhalte gemeinsam auszulegen. Welche Gewerke dabei zusammenlaufen, zeigt die Übersicht Messebau Leistungen, umgesetzte Projekte finden Sie in den Referenzen. Für eine der kommenden Ausgaben starten Sie am besten mit einem kurzen Gespräch über Ihre Anfrage.