Kaum ein Messeauftritt steht so unter Beobachtung wie der auf der IAA MOBILITY. Wenn die Mobilitätsbranche im September 2027 wieder nach München kommt, zeigt sie Fahrzeuge, Software und Ladeinfrastruktur gleichzeitig auf dem Messegelände und mitten in der Stadt. Der Stand selbst wird dabei zum Argument, weil er sichtbar macht, wie ein Unternehmen mit Material umgeht.

Zwei Schauplätze, zwei Bauaufgaben

Seit dem Umzug nach München teilt sich die IAA MOBILITY in zwei Formate. Der Summit auf dem Messegelände in Riem gehört dem Fachpublikum: Einkauf, Entwicklung, Flottenverantwortliche, Investoren und Presse. Der Open Space verteilt sich über die Innenstadt, von der Ludwigstraße über Odeonsplatz, Wittelsbacherplatz und Residenzhöfe bis zu Königsplatz, Max-Joseph-Platz und Marienplatz. Der Zugang dort ist frei, das Publikum breit gemischt, und der Veranstalter meldete für die Ausgabe 2025 mehr als 400.000 Besucherinnen und Besucher allein in der Stadt.

Für den Standbau sind das zwei Welten. In der Halle gelten die technischen Richtlinien der Messe München mit Bauhöhen, Rettungswegen, Sichtblenden und Brandschutzklassen. Auf einem Stadtplatz kommen Wetter, Untergrund und Nachbarschaft dazu: Konstruktionen stehen auf Ballast statt auf Ankern, Kopfsteinpflaster verlangt eine ausgleichende Unterkonstruktion, Anlieferfenster sind eng getaktet, und jeder Platz bringt eine eigene Nutzungsordnung mit. Wer beide Schauplätze bespielt, plant deshalb früh zwei Bauweisen mit einer gemeinsamen Gestaltungssprache.

Genau hier zahlt sich eine Entscheidung aus, die lange vor dem ersten Entwurf fällt: die für ein System, das mehrfach steht.

Wiederverwendung beginnt bei der Systementscheidung

Ein Auftritt auf der IAA MOBILITY entsteht für eine Messe im Zweijahresrhythmus. Ein Stand, der ausschließlich für diesen einen Termin gebaut wird, verbringt die Zeit danach im Container oder auf dem Wertstoffhof. Ein modular geplanter Stand dagegen geht ins Lager, wird geprüft, neu konfiguriert und steht im Folgejahr auf einer Fachmesse, einer Hausausstellung oder einem Händlerevent.

Modulare Aluminiumrahmen mit textiler Bespannung und LED-Kacheln lassen sich werkzeuglos verbinden, in Standardmaßen kombinieren und einzeln tauschen. Beschädigt der Transport ein Element, wechseln Sie dieses eine Element statt der ganzen Wand. Grafiken sitzen als Stoffbahnen im Rahmen, sodass sich das Bild ändern lässt, während die Konstruktion bleibt. Für Aussteller mit wechselnden Flächenzuschnitten lohnt zusätzlich der Blick auf die Mietvariante, bei der die Substanz beim Messebauer bleibt und nur die Konfiguration wechselt (mehr dazu unter Messestand mieten).

Der eigentliche Gewinn zeigt sich beim zweiten und dritten Einsatz. Erst dort verteilen sich Herstellungsaufwand und Materialeinsatz auf mehrere Auftritte, und erst dort wird aus einer Absichtserklärung eine belastbare Zahl.

Rückbau, der schon im Entwurf steht

Wie gut sich ein Stand wiederverwenden lässt, entscheidet sich am Zeichenbrett. Drei Fragen führen zuverlässig weiter.

Erstens: Wie sind die Teile verbunden? Geschraubte, geklemmte und gesteckte Verbindungen lassen sich lösen und wieder schließen. Verklebte Schichten aus Holz, Schaum und Folie enden dagegen als Mischfraktion.

Zweitens: Wie sortenrein bleibt das Material? Ein Aluminiumprofil, eine Holzplatte und eine Textilbahn gehen getrennt in den Kreislauf zurück. Ein Verbundelement aus drei verklebten Werkstoffen landet im Restmüll.

Drittens: Wie kommt der Stand ins Lager zurück? Bauteile in Standardmaßen passen in vorhandene Transportgestelle, tragen eine Kennzeichnung und finden im digitalisierten Lager ihren festen Platz. Sonderformate ohne passende Verpackung verschwinden erfahrungsgemäß schon nach wenigen Jahren aus dem Bestand.

Dazu kommt die Choreografie des Abbaus. Ein Abbauplan legt fest, welches Gewerk in welcher Reihenfolge arbeitet, welche Bauteile eingelagert werden, welche Fraktionen getrennt bleiben und wer die Übergabe der Fläche verantwortet. Dieser eine Plan entscheidet am Messeende darüber, ob ein Rückbau stattfindet oder ein Abriss.

Kennzahlen, die den Bericht tragen

In der Mobilitätsbranche wird Nachhaltigkeit geprüft. Einkauf und Nachhaltigkeitsabteilung fragen nach Belegen, weil Berichtspflichten und Lieferantenbewertungen Zahlen verlangen. Für einen Messeauftritt entstehen diese Zahlen sauber, sobald die Erhebung von Anfang an mitläuft:

  • Materialliste mit Mengen je Werkstoff
  • Anteil wiederverwendeter Bauteile am Gesamtstand, belegt über die Lagerhistorie
  • Transportstrecken und Auslastung der Fahrzeuge bei An- und Abtransport
  • Stromverbrauch am Stand, getrennt nach Beleuchtung, Medientechnik und Exponaten
  • Verwertungswege der Fraktionen nach dem Abbau
  • Fotodokumentation der eingelagerten Bauteile als Grundlage für die nächste Ausgabe

Der Veranstalter gibt dabei eine Richtung vor. In den organisatorischen und technischen Unterlagen früherer Ausgaben empfahl die IAA MOBILITY ausdrücklich wiederverwendbare und recyclingfähige Materialien und stellte für den Open Space einen Kompensationsweg über einen Klimapartner bereit. Welche Vorgaben für Ihre Ausgabe gelten, steht in den jeweils aktuellen Richtlinien; die Grundhaltung ist über mehrere Ausgaben hinweg stabil geblieben.

Entscheidend bleibt die ehrliche Einordnung. Eine Wiederverwendungsquote ist eine Eigenangabe, solange sie aus der eigenen Lagerhistorie stammt. Genau deshalb lohnt es sich, zu jeder Zahl die Quelle zu nennen. Wie das in der Praxis aussieht, beschreibt die Seite nachhaltiger Messebau.

Was nach dem Abbau bleibt

Die IAA MOBILITY belohnt Auftritte, die über den Termin hinaus gedacht sind. Ein Stand, der sich zerlegen, lagern und neu zusammensetzen lässt, entlastet beim zweiten Einsatz das Budget und liefert zugleich die Belege, nach denen Einkauf und Berichtswesen fragen. Wer eine der kommenden Ausgaben plant, beginnt deshalb sinnvollerweise beim Lager und beim Abbauplan und erst danach bei der Rückwand. Einen Eindruck realisierter Projekte geben unsere Referenzen, und über die passende Bauweise für Halle und Stadtplatz sprechen wir gern früh im Projekt.