Alle zwei Jahre verwandelt sich das Messezentrum Nürnberg in eine Landschaft aus Pflasterflächen, Pflanzquartieren, Baumaschinen und Bewässerungstechnik. Die GaLaBau zeigt in den Hallen und auf dem weitläufigen Freigelände, wie Grün in Städten, Parks und Gärten klimafest wird. Und sie stellt ihren Ausstellern eine Frage, die auf kaum einer anderen Messe so direkt im Raum steht: Wie kreislauffähig ist eigentlich der Stand, auf dem Sie über Kreisläufe sprechen?
Ein Publikum, das Material lesen kann
Nach Nürnberg reisen Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner, Planungs- und Ingenieurbüros, Grünflächenämter und kommunale Betriebshöfe, Baumschulen, Sport- und Golfplatzbauer, Friedhofsverwaltungen sowie Betreiber großer Liegenschaften. Diese Fachleute arbeiten täglich mit Substraten, Holz, Naturstein, Beton und Stahl.
Entsprechend genau lesen sie Oberflächen. Wer eine Wandfläche anfasst, erkennt binnen Sekunden, ob sie für drei Messetage aus lackierter Spanplatte entstanden ist oder ob hier ein System steht, das seinen zehnten Einsatz erlebt. Unter dem Leitthema der klimafitten Zukunft diskutiert dieses Publikum über Versickerung, Baumsubstrate, Regenwassermanagement und langlebige Beläge. Ein Stand, der diese Haltung baulich mitträgt, verstärkt jedes Verkaufsgespräch.
Dazu kommt ein sehr handfester Grund. Ein erheblicher Teil der Besucher vergibt öffentliche Aufträge. Wer Ausschreibungen von Kommunen kennt, weiß, wie selbstverständlich dort inzwischen Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien abgefragt werden. Glaubwürdigkeit auf der Fläche zahlt in Nürnberg also direkt auf die Auftragslage ein.
Wiederverwendung entsteht in der Konstruktion
Ob ein Stand ein zweites Leben bekommt, entscheidet sich am Reißbrett. Modulare Aluminium-Rahmensysteme, werkzeuglos verbunden und mit textilen Bespannungen bezogen, lassen sich sortenrein zerlegen und in neuer Anordnung wieder aufbauen. Verschraubte und geklemmte Verbindungen halten diese Option offen, verklebte und verspachtelte Aufbauten enden dagegen meist im Container.
Drei Entwurfsentscheidungen erhöhen die Wiederverwendungsquote spürbar:
- Standardmaße bevorzugen. Rahmen im Systemraster wandern in beliebige künftige Grundrisse. Sondermaße bleiben Einzelstücke.
- Zeitkritische Grafik trennen. Jahreszahl, Messename und Aktionsmotiv gehören auf kleine, separat austauschbare Flächen. Die große Bespannung bleibt dadurch mehrere Jahrgänge im Einsatz.
- Boden und Grün mitdenken. Modulare Bodenplatten oder Holzdielen aus dem Lagerbestand ersetzen den klassischen Rips-Teppich, der nach vier Messetagen als Abfall endet. Pflanzen kommen als Mietgrün von regionalen Baumschulen und kehren nach der Messe in die Produktion zurück.
Gerade auf der GaLaBau lässt sich diese Logik sichtbar machen: Ein Stand aus wiederverwendeten Rahmen, gebrauchten Pflastersteinen aus dem eigenen Bestand und Mietgrün erzählt die Botschaft der Branche, bevor das erste Wort fällt.
Der Rückbau entscheidet über die Bilanz
Am Freitagabend beginnt der Teil, den die Bilanz später abbildet. Ein sauber vorbereiteter Abbau folgt einem Plan: Reihenfolge der Gewerke, Kennzeichnung jedes Bauteils, getrennte Sammlung von Restmaterial, klare Zuordnung, was zurück ins Lager geht und was als Wertstoff die Halle verlässt.
Vier Punkte haben sich dabei bewährt. Erstens ein Bauteilverzeichnis mit ID je Rahmen, Möbel und Leuchte, damit die Rückführung ins digitalisierte Lager vollständig gelingt. Zweitens die sofortige Sichtprüfung beim Einlagern, damit beschädigte Teile in die eigene Werkstatt gehen statt beim nächsten Aufbau aufzufallen. Drittens die Bündelung der Rückfracht, damit dieselben Fahrzeuge, die den Stand gebracht haben, auch beladen zurückfahren. Viertens die Lagerung der Bespannungen in Rollen oder Kisten, denn eine gut behandelte Textilgrafik übersteht viele Auftritte.
Ein Rückbau, der so organisiert ist, kostet an vier Messetagen etwas mehr Planung und spart über Jahre erhebliche Material- und Neubaukosten.
Nachweise, die in Ausschreibungen zählen
Nachhaltigkeit überzeugt, sobald sie in Zahlen vorliegt. Für einen Messeauftritt in Nürnberg lassen sich diese Belege ohne großen Aufwand mitführen:
- Materialliste je Bauteil mit Herkunft, Einsatzdauer und Verbleib
- Wiederverwendungsquote des konkreten Projekts, berechnet aus Bestandsteilen gegenüber Neuteilen
- Transportkilometer und Anzahl der Fahrten inklusive Rückfracht
- Verwertungs- und Entsorgungsnachweise für das verbleibende Restmaterial
Diese Angaben wandern in Nachhaltigkeitsberichte, sie beantworten Rückfragen aus dem Einkauf und sie liefern Punkte in Ausschreibungen. Branchenweit existieren zusätzlich Zertifizierungen für nachhaltige Projekte und Unternehmen, etwa über den FAMAB Kommunikationsverband; ein Blick auf die dortigen Kriterien lohnt sich als Orientierung für eigene Standards.
Die Trendsetzerei baut seit 2020 konsequent modular, mit eigener Werkstatt, eigenem Fuhrpark und digitalisiertem Lager. Nach eigener Auswertung gehen bis zu 85 Prozent der Bauteile zurück in den Kreislauf. Wie dieser Ansatz im Detail funktioniert, beschreibt die Seite zum nachhaltigen Messebau; realisierte Projekte aus Industrie, Gartenbau und Handel zeigen die Referenzen.
Halle und Freigelände: eine Bilanz, zwei Baustellen
Auf der GaLaBau verteilt sich der Auftritt vieler Aussteller auf beide Welten. In der Halle gelten Bauhöhen, Brandschutzanforderungen und Anschlusslisten der NürnbergMesse; im Freigelände kommen Untergrund, Wetter und Bodenschutz hinzu.
Für Maschinenpräsentationen im Freien haben sich Bodenschutzplatten unter den Aufstandsflächen, ballastierte Konstruktionen statt Verankerungen und wetterfeste, mehrfach nutzbare Podeste bewährt. Auch Rasenflächen erholen sich, wenn Fahrspuren geschützt und Flächen nach dem Abbau geordnet zurückgegeben werden. Die jeweils gültigen Vorgaben stehen in den Technischen Richtlinien und im Merkblatt Freigelände des Veranstalters.
Vom Versprechen zum Beleg
Ein Stand, der zurückgebaut, eingelagert und wieder aufgebaut wird, ist die anschaulichste Produktprobe, die ein Anbieter grüner Infrastruktur abgeben kann. Beginnen Sie deshalb früh: Bauteilbestand prüfen, Grafik zeitlos anlegen, Rückbau und Nachweise gleich mitbeauftragen.
Den Termin der kommenden Ausgabe finden Sie im Messekalender. Wenn Sie Ihre Fläche in Nürnberg kennen und wissen möchten, welcher Anteil aus Bestand realisierbar ist, rechnen wir das gern gemeinsam durch.